Mittwoch, 19. Dezember 2012

Warnstreik und Protestkundgebung vor dem C.H. Beck Verlag in München! (Teil 1)

Nördlinger Beschäftigte protestieren gegen Tarifflucht und abgepresste Zusatzverträge – Mut und Zusammengehörigkeitsgefühl sind spürbar gestiegen!



Mit 3 Bussen waren die Nördlinger Beschäftigten der Druckerei C.H. Beck am 17.12.2012 nach München unterwegs, um gegen die Tarifflucht ihres Arbeitgebers vor dem Beck Verlag in München zu demonstrieren. Bei hervorragender Stimmung und gestärktem Selbstbewusstsein machten sie lautstark deutlich, dass Tarifverträge wieder der Normalfall sein müssen.


Der angekündigte Besuch der „lieben Nördlinger Mitarbeiter“ hatte in München offensichtlich zu Panikreaktionen bei Dr. Beck und der Unternehmensleitung geführt. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Tore verschlossen waren und von eilends - vermutlich von engagierten Securityleuten - bewacht wurden. Was ging da in den Köpfen der Verantwortlichen in München vor? Glaubte man tatsächlich, dass die „Rieser Landeier mit Mistgabeln und Dreschflegeln“ über Dr. HD Beck, seine nibelungentreue Führungsriege oder gar über die Verlagsbeschäftigten  herfallen würden? Da hat man sich ganz schön lächerlich gemacht!

 

Deutliche Vorwürfe richtete der ver.di-Sekretär Rudi Kleiber an die Nördlinger Geschäftsleitung und die Unternehmensleitung in München.  Wenige Tage vor dem Aktionstag wurde versucht, die Beschäftigten wieder einmal zu verunsichern und zu spalten. Der Vorwurf, dass ver.di Tarifverhandlungen ablehnt, ist absoluter Quatsch. Seit 18 Monaten, rund 75 Wochen oder rund 550 Tagen versucht ver.di mit der Arbeitgeberseite zu verhandeln. Selbst auf der Betriebsversammlung am 13. Dezember 2012 forderte der stellv. Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke die Unternehmensleitung auf, mit akzeptablen Angeboten und ohne Vorbedingungen in die Tarifverhandlungen einzusteigen. Wenn ein Arbeitgeber 550 Tage ohne Verhandlungsangebot an die Arbeitnehmerseite verstreichen lässt, muss er sich nicht wundern, dass die Beschäftigten weiteren Versprechungen keinen Glauben mehr schenken.
 
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Als Ungeheuerlichkeit wird auch empfunden, dass von der Münchener Geschäftsleitung in einem Rundbrief an die Münchner Verlagsbeschäftigten nur über „die Abweichung von einigen allgemeinen Tarifbedingungen“ gesprochen wird.

Es geht um folgende Verzichte und zusätzliche Belastungen:

  • Kürzung der Jahresleistung auf 60% (95%)
  • Kürzung des Urlaubsgeldes auf 30% (50%)
  • 3,75 Std. unbezahlte Arbeit/Woche
  • Streichung der Freischichten für Schichtarbeiter
  • Reduzierung der Schichtzuschläge aufgrund des reduzierten Stundenlohnes
  • Streichung der Essenmarken  (pro Anwesenheitstag 1 Euro)
  • Streichung der bezahlten Freizeit an Hl. Abend und Silvester.


Was ist von einer Nördlinger Geschäftsleitung zu halten, die einer der bedeutendsten juristischen Druckereien in Deutschland vorsteht, und einen Warnstreik mit Kundgebung vor dem Beck Verlag, zur Durchsetzung von Tarifverträgen, einer Kaffeefahrt gleichsetzt. Wer so verächtlich über Gewerkschaften, Arbeitnehmerinnen und Arbeiter und Tarifverträge urteilt, muss sich nicht wundern, wenn hier zunehmend Vertrauen und Glaubwürdigkeit verspielt werden.


Ein weiteres Problem sind die den Beschäftigten durch die Nördlinger Geschäftsleitung abgepressten Zusatzverträge. Mit einem erheblichen Maß an Einschüchterung und Drohpotential wurde den Beschäftigten die Unterschrift unter diese Verträge abgerungen. Das selbst gesteckte Ziel der Unternehmensführung, eine Zustimmungsquote von 70 Prozent am 31.05.2011 zu erreichen, wurde unter sehr merkwürdigen und dubiosen Vorgängen „erreicht“. Erst nach Anrufung und Klärung durch das Arbeitsgericht wurde festgestellt, dass die 70-Prozent-Quote nicht erreicht wurde und somit die Verträge ungültig sind. Kritisiert wurde, dass es hier auf Arbeitgeberseite keinerlei Unrechtsbewusstsein gibt.

Teil 2 des Aktionstages und der Kundgebung folgen in einem weiteren Post!!

Fotos: Werner Bachmeier

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Kommentare:

  1. Die Behauptung, ver.di würde Tarifverhandlungen ablehnen, ist eine absolute Frechheit!
    Soll mit solchen Aussagen die Öffentlichkeit beeinflusst werden? Wir Mitarbeiter wissen doch genau, wie das gelaufen ist.
    Vielleicht will man uns aber auch einfach nur zu Tode ärgern und somit das Problem in Nördlingen lösen, mein Blutdruck ist jedenfalls schon wieder auf 180.

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  2. Ja, find ich auch!
    Jetz schauen wir mal, was uns Dr. Beck und die GL interessantes mitzuteilen hat.
    Tarifvertrag Druck oder weiterhin Zusatzverträge?
    Bei Tarifvertrag Druck gibt's Applaus, bei Zusatzvertrag Aktionen; wir wissen jetzt wieder wie es geht...
    Also heute keine Verarschung meine Herren!

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