Sonntag, 6. Oktober 2013

250 Jahre C.H. Beck und wie macht man einen Betriebsrat mürbe…

Brief von ver.di und des Betriebsrats an Bayerische Bischöfe hat ein gerichtliches Nachspiel!

Geschäftsleitung leitet ein Beschlussverfahren gegen den Betriebsrat beim Arbeitsgericht Augsburg ein!
 
Nach Einleitung eines gerichtlichen Beschlussverfahrens im Mai 2013 gegen den Betriebsrat bzw. den Betriebsratsvorsitzenden wegen der Weiterleitung des Streikaufrufs vom E-Mail-Account des Betriebsrats – die Klage wurde später zurückgezogen, wird jetzt gegen den Betriebsrat erneut ein gerichtliches Beschlussverfahren eingeleitet.

Hintergrund ist ein gemeinsamer Brief von ver.di und des Betriebsrats an Bischof Dr. Friedhelm Hofmann von Würzburg, Bischof Dr. Konrad Zdarsa von Augsburg sowie an den Vorsitzenden der Bay. Bischofskonferenz Herrn Erzbischof Kardinal Reinhard Marx.

Auszüge aus dem Brief an:

Herrn Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, der das Projekt „Gottes Lob“ federführend betreut.
Herrn Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz.
Herrn Bischof Dr. Konrad Zdarsa, Bischof der Diözese Augsburg.

Mitte November 2012 erteilten die deutschen Bischöfe die Druckfreigabe zum „Gotteslob“, dem offiziellen katholischen Gebet- und Gesangbuch.

Die deutschen Bischöfe haben sich dabei für den Produktionsstandort Nördlingen der Druckerei C.H. Beck entschieden. 

Als Betriebsrat und als zuständige Gewerkschaft ver.di begrüßen wir natürlich diese Entscheidung. Als Arbeitnehmervertretung stehen für uns natürlich insbesondere auch die Arbeitsplätze, also die Menschen, im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns.

Versöhnen statt Spalten!

Wir möchten Sie aber auch darüber informieren, dass die Druckerei C.H. Beck im Mai 2011 aus den bisher gültigen Tarifverträgen der Druckindustrie geflüchtet ist und den Beschäftigten gleichzeitig massive Einkommensverluste – unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes – abgepresst hat.

Seit 2 Jahren bemühen wir uns um Gespräche mit der Arbeitgeberseite; seit 21. März 2013 sind wir in Gesprächen mit der Geschäftsleitung der Druckerei. Am 11. Juli wurden nun die Beschäftigten darüber informiert, dass die Geschäftsleitung die Verhandlungen für gescheitert erklärt und keinen Tarifvertrag für die Beschäftigten will.

Gleichzeitig wird von den Beschäftigten und dem Betriebsrat abverlangt, dass an Sonntagen bzw. am Wochenende im Dreischichtbetrieb durchgearbeitet wird.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund der Produktion des Gotteslobes in Schicht-, Nacht-, Sonntags- und Wochenendarbeit.

Wir wenden uns als Arbeitnehmervertretung nun an Sie und bitten Sie als Bischof, der das Projekt Gotteslob federführend betreut, um Unterstützung. Es geht uns darum, dass die betroffenen Beschäftigten mit Würde, Anstand und Fairness behandelt werden. Dies schließt auch einen Tarifvertrag mit ein.

Richtig kann eine Arbeitsordnung nur sein, wenn sie den Gegensatz von Arbeit und Kapital überwindet“ (Johannes Paul II. in seiner Sozialbotschaft Laborem Exercens, 1981).
Antwort des Erzbischöflichen Sekretariats, München (Auszüge):
im Auftrag von Herrn Erzbischof Kardinal Marx danke ich für das Schreiben. Herr Kardinal Marx hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dass er Ihre Ausführungen persönlich zur Kenntnis genommen hat und Ihr Anliegen ernst nimmt. So wird die von Ihnen angesprochene Problematik an geeigneter Stelle besprochen werden.

Gerne gebe ich Ihnen die freundlichen Grüße von Herrn Kardinal Marx weiter.
Der Vorwurf der Geschäftsleitung lautet nun, dass der Betriebsrat Dinge zum Thema Sonntagsarbeit und Dreischichtbetrieb behauptet, die so nicht richtig seien und der Betriebsrat dadurch den Betriebsfrieden störe, so die Juristin des Verbandes Druck und Medien Bayern.

Insbesondere wird dem Betriebsrat vorgeworfen, zu Unrecht behauptet zu haben, dass von den Beschäftigten und dem Betriebsrat abverlangt wird, dass am Wochenende im Dreischichtbetrieb durchgearbeitet wird.

Richtig ist:

Mit Datum vom 25. Juni 2013 erhielt der Betriebsrat von der Geschäftsleitung bzw. der Personalreferentin einen Entwurf für eine Vereinbarung über Wochenendschichten, der wie folgend aussieht:
Schicht 1: Samstag 05:00 – 15.00 Uhr
Schicht 2: Samstag 15.00 – 01.00 Uhr (Sonntag)
Schicht 3: Sonntag 09.00 – 19.00 Uhr
Schicht 4: Sonntag 19.00 – 05.00 Uhr (Montag)

Geht es der Geschäftsleitung hier nur um Wortklauberei, d. h. nur um die Begriffe „Dreischichtarbeit“ und „durcharbeiten“ oder geht es um mehr?

Können solche Vorkommnisse nicht vor dem Gang zum Gericht in einem Gespräch zwischen Geschäftsleitung und  Betriebsrat geklärt werden? Warum eigentlich nicht?

Der Verdacht liegt nahe, dass die  neue Geschäftsleitung alle Register zieht, um einen kritischen Betriebsrat „ruhig zu stellen“.

Wie anders ist so ein Verhalten einer Geschäftsleitung zu erklären!

Oder mit anderen Worten:
 
So macht man einen Betriebsrat mürbe…

Kommentare:

  1. Ich habe von unserer GL nichts anderes erwartet. Unser neuer Bertelsmann Manager hat das jetzt schnell raus wie man mit Beschäftigten und Betriebsräten umgeht. Nach dem Motto: Zuckerbrot und Peitsche!

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    1. Auf diese Art kann man natürlich auch einen Betrieb kaputtmachen.

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  2. Das Schreiben an die deutschen Bischöfe war meiner Meinung nach schon damals ein Fehler und unabhängig von den jetzt im Raum stehenden Spitzfindigkeiten der Juristen einfach nur beschämend.
    Da wurde der Bogen einmal mehr überspannt! Der richtige Weg sind konstruktive Gespräche mit der Geschäftsleitung anstatt stupider Anschwärzerei des Betriebes bei unbeteiligten Dritten wie den Bischöfen!

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    1. Mit dieser Geschäftsleitung sind konstruktive Gespräche leider nicht möglich.
      Die setzen nur auf einschüchtern, Angst machen und erpressen von Belegschaft und Betriebsrat!
      Traurig, aber wahr!

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  3. Gott segne solche, die so einen Mist reden und glauben, dass sie auf dem gleichen hohen Ross sitzen wie die Geschäftsleitung.
    Auch ihr werdet euer negatives Päckchen noch tragen müssen.

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  4. Wenn Ihr nur eure eigenen Meinungen hören wollt, dann schaltet den Blog doch einfach ab, dann schreibt keiner mehr "Mist" und keiner kann mehr widersprechen! Meinungsfreiheit zu ertragen, ist für einige nicht leicht!
    Was habt ihr denn bisher erreicht? Einen guten Kunden zu verprellen war ja ein toller Anfang, das lässt uns hoffnungsfroh in eine gute Zukunft blicken!???
    Weiter so, das macht ja nach eurer Logik wirklich Sinn den eigenen Laden kaputt zu machen!

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    1. Hemmungslose Polemik, ganz offensichtlich von Leuten geäußert, die nicht zur Arbeiterschaft gehören, verfehlt zweifellos ihr Ziel. So blöd sind die Arbeiter nun auch wieder nicht. - Heruntergewirtschaftet wird die Becksche durch eine Unternehmensführung, die nicht erkennt, dass die Mitarbeiter wesentliches Kapital des Unternehmens sind. Ein positiv gestimmter Mitarbeiter macht seine Arbeit und mehr als das (wenn man ihn denn läßt) und schaut über seinen "Tellerrand" hinaus. Ein Mitarbeiter, wie er bei der Beckschen mittlerweile Normalfall ist, macht seine Arbeit. Mehr nicht.

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    2. Der "gute Kunde" ist, sofern die Katholische Kirche gemeint sein sollte, nicht durch den Hilferuf der Druckerei-Mitarbeiter verprellt worden, sondern durch Anfänger-Fehler, die GANZ BESTIMMT NICHT durch die große graue Masse namens Belegschaft begangen wurden. Wenn wir so schlecht drucken würden wie Ihr Eure Arbeit macht, wären wir schon längst pleite!

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  5. Wieso läßt denn selbst der eigene Verlag fremd setzen, drucken und binden, obwohl bei uns (meist) die Qualität stimmt? Wegen der Kosten. Und warum sind bei uns die Kosten zu hoch? Unter anderem weil wir an zwei Betriebsstätten produzieren müssen, was ja nun lange bekannt ist, wir einen Wasserkopf-Verwaltungsapparat haben und: weil uns das Mutterhaus die Preise diktiert. Diverse Betriebe, die u.a auch für Beck gearbeitet haben, sind mittlerweile kaputt! - Wäre nicht schlecht, wenn sich die Herren von der mittleren und höheren Führungsebene mal Gedanken über (gravierende) Einsparungen in diesem Bereich machen würden. Damit macht man sich allerdings nicht beliebt bei der GL. Von wegen A . . . in der Hose. . .

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  6. Ja richtig, volle Zustimmung!
    Überall wird deutlich eingespart, jedoch nicht bei der mittleren und höheren Führungsebene. Dieser Kreis wurde schon von der alten GL verwöhnt und dies geht wohl jetzt so weiter.
    Wäre ja auch blöd, wenn sich unser neuer Boss seine Vasallen zum Feind machen würde.
    Frage: In welchen Bereichen werden die fettesten Übertarife bezahlt?

    Ach noch was. Die kath. Bischöfe sind nicht erst durch diesen Brief über die Zustände bei Beck aufmerksam geworden. Wer hier als Führungskraft meint, die Bischöfe an der Nase herumzuführen, der irrt sich gewaltig. Mögliche Fehler die hier beim Gotteslob gemacht wurden, sind von der Verantwortlichen selbst auszubaden und nicht gleich wieder einen anderen Schuldigen suchen.
    Hätte sich unsere Führung anständig und fair gegenüber Betriebsrat, Belegschaft und Verdi benommen, und keine angepressten Zusatzverträge, gäbe es all diesen Ärger nicht. Dies will man unter allen Umständen vergessen machen.
    Dies wird allerdings nicht gelingen!

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