Dienstag, 16. Februar 2016

Leiharbeit und Werkverträge - zwei Straßenköter


                                                                        Illustration: Thomas Klefisch
 
Warum eigentlich werden reiche Russen oder reiche Ukrainer in unseren Medien stets als finstere Oligarchen bezeichnet, deutsche Reichenclans wie die Piechs, Quandts und Schaefflers hingegen als ehrliche Unternehmer? Schließlich betrieben die Reichen aller Länder gemeinsam dieses eine globale System, das ihnen erlaubt, unendlich viel Geld anzuhäufen und den geringst möglichen Preis für Arbeitskraft zu bezahlen.
Denn darum geht’s: Die einen lassen ihr Geld für sich arbeiten. Die anderen arbeiten genau für dieses Geld. Und je weniger Geld Letztere verdienen, desto mehr Leute können Erstere für ihr Geld arbeiten lassen.

Werkverträge sind dazu ein tolles Werkzeug, denn sie machen aus Arbeitnehmern vielfach selbst Unternehmer. Wer als sein eigener Unternehmer unterwegs ist, muss auch selbst entscheiden, wie viel er in seine Bildung, Gesundheit und Altersversorgung „investiert“. So werden Errungenschaften, die einst von Gewerkschaften erkämpft wurden, einfach outgesourct, weil der Arbeitnehmer via Werkvertrag nun sein eigener Arbeitgeber wird – nur ohne Profit. Immer mehr Menschen müssen immer härter zu immer schlechteren Bedingungen arbeiten, um die Reichen immer reicher zu machen.

Werkverträge und Leiharbeit sind wie zwei Straßenköder, die sich kläffend an den Extrementen beschnüffeln und dabei dauernd im Kreis im Kreis drehen: zu nichts gut und irgendwie obszön.
Im Grundgesetz steht: „ Eigentum verpflichtet“. Zu was? – Zu nichts!

Während früher der Besitzer von Sklaven wenigstens noch eine Rundum-Grundversorgung leisten musste, entledigt sich der moderne Kapitalist selbst noch dieser Pflicht – via Werkvertrag.
Egal, ob Oligarch oder deutscher Reichenclan: In Werkverträgen etwas Positives zu sehen – da kann man auch in ein Cello pinkeln und warten, dass Musik daraus wird. Robert Griess

Robert Griess ist polit. Kabarettist und tritt u. a. am 12/12.03.2016 in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf. Weitere Infos unter: www.robertgriess.de
 
 

Kommentare:

  1. Ein sehr guter Artikel, der den Kern der Sache sehr anschaulich und deutlich wiedergibt.
    Und einer dieser Straßenköter "Werkverträge" treibt bei uns in der Buchbinderei sein Unwesen!

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  2. Für mich aber gilt: Besser ein Werkvertrag als gar keinen Vertrag mehr und dann arbeitlos! Was dann?

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    1. Das Problem ist doch, dass die Politik diese Werkverträge zulässt und so die Löhne der Arbeitnehmer drückt. Wie lange geht diese Lohndrückerei gut?

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  3. @besser ein Werksvertrag:
    Thema verfehlt!
    Würde der Gesetzgeber Werkverträge in dieser Form unterbinden, so wären die "Werksvertragsnehmer" dann nicht arbeitslos, sondern hätten zwangsläufig ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis.
    Oder machen dann die Unternehmer die Arbeit selbst?

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  4. Genau diese Werkverträge haben uns in der Buchbinderei die komplette Zeitschriftenproduktion gekostet. Und das trotz ständig steigender Produktivität am Sammelhefter und Adressierung. Gute und vernünftig bezahlte Arbeitsplätze sind bei C.H. Beck dem Profit geopfert worden. Gar nicht zu sprechen von der Falzerei!

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